Mittwoch, 8. Juli 2015



















Luftsilber ist wirklich ein Hauch von Nichts, es besteht nämlich aus genau drei Tönen, eigentlich. 
Zwei Melodicas und zwei Melodions habe ich inzwischen. Und irgendwann waren alle vier Instrumente verstimmt. Dann müssen normalerweise die Metallzungen, die durch die Mechanik und den Luftstrom zum Schwingen gebracht werden und so den Ton erzeugen, ganz vorsichtig mit einer Feile bearbeitet werden.

Luftsilber, Silver of Air really is a breath of nothing, it consists to wit of three tones, actually.
By now I have two melodicas and two melodions. And one day all of them were out of tune, more or less. Then you normally have to work with a file on the brass plates which vibrate due to the mechanics and the stream of air and so generate the tones.

Before though I wanted to use this condition for a new piece. I imagined that the mixture of four different sound colors together with this poor tuning would produce interesting interferences and wavering and grinding microtonal intervals.

So after several trials with the sound I picked the tones c sharp, f sharp and g sharp and improvised, just using these three tones in a chordal way, on all four instruments, like in slow motion and recorded several layers. Then I put one layer on top of another, shifted them, shortened them and finally changed the levels of volume.








Vorher aber wollte ich diesen Zustand der Instrumente für ein Stück nutzen. Ich stellte mir vor, daß die Mischung der vier unterschiedlichen Klangfarben zusammen mit der mangelhaften Stimmung interessante Interferenzen, schwebende oder sich reibende Tonhöhenunterschiede im Mikrobereich produzieren müsste. 
Also wählte ich nach etlichen Versuchen bezüglich des interessantesten Klangs die Töne cis, fis und gis aus, begann zu improvisieren, nur mit diesen drei Tönen, in akkordischer Weise, auf allen vier Instrumenten und wie in slow motion, und nahm so mehrere Schichten auf. Danach habe ich diese Schichten übereinandergelegt, verschoben, gekürzt und die Pegel variiert. 



 


Der Ausdruck Luftsilber entstammt einer Novelle von Adalbert Stifter, Die Narrenburg. Hier werden soziale Unterschiede bereits oder noch von der Liebe überwunden. Der naturwissenschaftlich interessierte Logiergast hofiert die Tochter seines Wirts. Und eines Abends verabredet er sich mit ihr unter der Laube und spricht davon, wie lieblich es schon sei, bloß ihren Atem zu spüren. Und ob ihr denn nicht auch so sei. »Und wie das Luftsilber des Mondes durch das Zweiggitter auf ihre beiden Angesichter hereinsank, so sagte ihm ihr Auge, das nachgebend und zärtlich gegen seines blickte, daß es so ist«.


The expression Luftsilber originates from a novelette by Adalbert Stifter, Die Narrenburg, The Castle of Fools. Here social differences are already or still overcome by love. The overnight visitor, examining nature in a scientific way, fawns over the daughter of his landlord. And one night he arranges to meet her under the arbour and tells her how loveley it is already to just feel her breath. And if she´d feel the same. »And when the silver of the air of the moon sank through the grid of branches upon them, her eye that looked towards his, yielding and tender, told him that it is like that.«





This is the element of Zazen in this piece. While this mixture of slopping water and chafing, screeching metal parts of a huge pontoon - I recorded that years ago at the Hamburg harbor - indicates resistance, an enormous force: the hardness of the metal together with the yielding consistence of the water and its still metallic will.







In the story the resistance expresses itself as history, it´s the egos of his ancestors, congealed in stone, which Heinrich then - in a sensible and loving manner - »straigthens«, tames and incorporates in a melange of sustainably working estate, castle and cultural site: in a cultural landscape.
To have the world in an echo, that would be nice. 


Das ist quasi das Element Zazen in dem Stück. Während diese Mischung aus schwappenden Wassergeräuschen und aneinanderreibenden, kreischenden Metallteilen eines riesigen Pontons hingegen den Widerstand andeutet, eine große Kraft: die Härte des Metalls zusammen mit der nachgebenden Konsistenz des Wassers und ihrem dennoch metallischen Willen. In der Erzählung artikuliert sich der Widerstand als Geschichte, sind es die in Stein erstarrten Egos seiner Vorfahren, die Heinrich dann in vernünftiger und gleichzeitig liebevoller Arbeit »begradigt«, zähmt, eingemeindet in eine Mischung aus nachhaltig arbeitendem Gutshof, Burg und Kulturstätte: in eine Kulturlandschaft. 
Im Anklang die Welt haben, das wäre schön. 




  

Luftsilber beschreibt also das langsame, vorläufige Verschwinden, Entschwinden von Widerstand. Demnach handelt es sich um eine ebenfalls vorläufige Geschichte mit Happy End.






Die Fotos von Lou sind in Argentinien entstanden. Mehr davon sind auf ihrem blog zu sehen: www.loudelalune.blogspot.fr



So Luftsilber describes the slow provisional disappearance, vanishing of resistance. Thus it´s about a likewise provisional story with a happy ending.  

Lou´s photos were taken during a trip in Argentina. More of them you can find on her blog: www.loudelalune.blogspot.fr



















Kommentare sind wie immer willkommen (mail@stefan-hardt.de).
Alle erwähnten CD´s und noch viele mehr sind direkt bei mir bestellbar.

Commentaries are always welcome (mail@stefan-hardt.com).
For all mentioned cds and many more please contact me.