Dienstag, 11. April 2017




PORTARE








Carrying what?… nature’s candle flickers... finally blinks... is still a pal though… can you see?… the senses weigh less…

who's seen the swallows with their spiky screech, lost in motion, my daily draught, invisible smoke of time... watching, watching, staring into loudless blur, the outbreath of amazement, huh... and further on...

who else... wants to be the jester of knowledge… though the sky is clear and calm, whenever you want.

no erinyes, just children of the night who skirmish... where have you been, where are you now?… when it gets darker, you'll hear the sound of laughter.

history on a cart, no psephos, a puppet theater... blow gently into the scene... the characters get dispersed... and bromides blossom. 

smooth and mellow... the grass still growing, the trees are moving faster, and the light... caresses your eyelids. 










Portare means to bring and carry.

What or who is carrying us?


Portare heißt bringen und tragen.

Was oder wer trägt uns?







Das Instrument ist tragbar. Daher heißt es Portativ. Man spielt es aber im Sitzen, es liegt auf dem linken Oberschenkel. Damit es waagerecht steht, ruht der linke Fuß auf einem Holzklotz und ist seine Unterseite gewölbt. Hinter den Tasten sind die Pfeifen angebracht. Mit der linken Hand drückt man auf den Blasebalg, mit der rechten werden die Tasten betätigt. Außerdem gibt es Bleigewichte, um Bordun-, d.h. meist tiefe Haltetöne, zu erzeugen. 







The instrument is portable. That´s why it´s named portative. But you play it sitting on a stool, it lays upon your left thigh. For it stands upright, the left foot rests on a log and its bottom side is arched. Behind the keys there are the pipes. With the left hand you press the bellow, with the right hand you touch the keys. Also there are lead weights to create drones, that is to say mostly deep sustained notes.








In a certain way it´s about an extinct instrument. It is still produced, on demand and/or in small quantities but only used in performances of Early Music. In the Middle Ages though it was en vogue.



In gewisser Weise handelt es sich um ein ausgestorbenes Instrument. Es wird zwar noch auf Bestellung und/oder in geringer Stückzahl produziert, aber eigentlich nur noch bei Aufführungen Alter und Früher Musik verwendet. Iim Mittelalter war es jedoch en vogue.









Rainer Groß aus dem rheinhessischen Armsheim hat es gebaut. Er ist Kirchenmusiker und konstruiert in seiner freien Zeit auf Bestellung Portative. 


Rainer Groß from Armsheim northeast of Frankfurt built it. He is a Church Music Director and in his spare time constructs portatives.









This one is a fox, so reddish brown, it´s made out of cedarwood; normally one uses oak timber.


Dieses hier ist ein Fuchs, so rötlich braun, es ist aus Zedernholz; normalerweise wird Eiche verwendet.










Gelassenheit und Stille sind die Mottos. 

Equanimity and silence are the mottoes.








Ein großes Dankeschön an Rainer Groß für dieses wunderschöne Instrument!


A big Thank You to Rainer Groß for this wonderful instrument!








Hier kommt die Flöte zum Einsatz: die Klänge ähneln sich sehr, nur die Tonhöhe ist verschieden.

Here comes the flute: the sound is quite similar, only the pitch is lower.









You can let tones sound up to 45 seconds. Pressing the bellow either hard or gentle you also have a certain influence on the height of tones and can produce »dirty« chords and/or intervals.
I was interested in - like in LUFTSILBER, using different melodions and melodicas out of tune - the inferences, the chafing oscillations and wolfe tones of these intervals.
Actually PORTARE is one self-contained piece, nevertheless do the six tracks  - like with ANGELS - also have a beginning and an end.


Man kann einzelne Töne ungefähr bis zu 45 Sekunden erklingen lassen. Mittels des jeweiligen Drucks ist außerdem ein gewisser Einfluß auf die Tonhöhe und somit das Spiel »unsauberer« Akkorde und/oder Intervalle möglich. 
Mich interessierten, wie schon bei dem Stück mit mehreren Melodions bzw. Melodicas, LUFTSILBER, die Interferenzen, die sich reibenden Schwingungen und Wolfstöne dieser verstimmten Intervalle.
PORTARE ist eigentlich ein abgeschlossenes Stück, dennoch haben auch die sechs tracks  - wie schon bei ANGELS - einen Anfang und ein Ende.
















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Sonntag, 1. Januar 2017

Montag, 17. Oktober 2016



STONES´ BLISS







Wie soll man das verstehen, wenn jemand davon spricht, dass Steine Kinder gebären, oder gar, wie ich - Stones' Bliss -, von ihrer Seligkeit oder Wonne?
Dass Bäume so eine Art soziales Dasein führen und quasi Gefühle zeigen können, hat sich inzwischen herumgesprochen. 
Beginnen wir also mit den Bäumen. Eine Palme steht ganz isoliert am Rand einer Steilküste. Dem Ich-Erzähler aus dem Roman Das verborgene Leben der Pflanzen von Lee Sung-U kommt es so vor, als sei sie 200 m hoch. Und eigentlich gehört sie gar nicht dorthin, in diese koreanische Küstenlandschaft. Er stellt sich vor, daß der Ozean die Wurzeln der Palme umfasst, die ganz bis ins Meer hinabreichen. Dann erweitert er jedoch umgehend seine Vorstellung: vielleicht durchquert und umfasst ja umgekehrt die Palme mit ihren Wurzeln den gesamten Ozean: Es gibt kein ärgerlicheres Vorurteil als die Vorstellung, ein Baum wäre reglos an einer Stelle festgewachsen. 
Der Bruder des Ich-Erzählers jedenfalls, der nach einem Unfall beide Beine verloren hat, sehnt sich danach, zu einem Baum zu werden, um so mit der Geliebten, die er aus Scham nicht mehr kontaktiert hat, verschmelzen zu können.








How shall you understand this when someone talks about stones bearing children or even, like me - Stones' Bliss ,- about their bliss. 
That trees have a certain social life and virtually do show emotions, that word has meanwhile gotten around.
So let´s start with trees. A palm stands completely isolated at the edge of a steep coast. To the first-person narrator from the novel The Private Live of Plants by Lee Sung-U it seems as if it were 200 metres high. And actually it doesn´t belong there, to this Corean coastal landscape. He imagines the ocean embracing the roots of the palm who reaches all the way down to the sea. Then he immediately broadens his vision: perhaps it´s the palm with its roots who traverses and embraces the whole ocean: There is no prejudice more annoying than the idea a tree were adhered motionless to one spot. 
The brother of the first-person narrator who lost both legs by an accident,  in any case longs for becoming a tree in order to merge with his love who he hasn´t contacted since for shame. 







Dieses Baum-Motiv erinnert stark an einen Ausschnitt des umfänglichen Avatamsaka-Sutras. Mitten in einer Wüste steht dort der sogenannte Baum der Erleuchtung. Alle Lebewesen zusammen genommen bilden die Wurzeln dieses Baumes. Und genährt werden sie von der Empathie der Auf-dem-Weg-Befindlichen. 
Gut ein halbes Jahrtausend später beschreibt dann der japanische Zen-Mönch Dogen den Bewußtwerdungsprozeß anhand bewaldeter Berge: Wer nur sieht, daß die grünen Berge sich unentwegt bewegen, wie sollte der wissen, daß die weißen Steine Kinder gebären bei Nacht. 
Hier sind sie nun, die Steine.

This motive of a tree strongly reminds of a part of the comprehensive Avatamsaka-Sutra. In the middle of a desert there is the so called tree of enlightenment. All living beings together constitute the roots of this tree. And they get nurtured by the empathy of those on the Way.
More than half a thousand years later the zen monk Dogen describes the process of awakening with the help of wooded mountains: Only seeing that the green mountains are always moving, who would know that the white stones bear children by night.
Here they are, the stones. 







Es ist kein Melodion, was hier zu hören ist, etwa elektronisch in die Tiefe versetzt, es ist auch nicht die Bassvariante dieses Instruments. Alle Klänge sind ganz original so und nicht mit Effekten versehen, außer dem obligaten Hall, und sie sind gekommen aus einer Mundharmonika. Tatsächlich habe ich vor längerer Zeit mal eine Bass-Melodica ausprobiert, weil ich mir etwas Dunkleres, Tieferes wünschte, aber die Tastengeräusche haben mich abgeschreckt, mal abgesehen von der Langsamkeit und der Verzögerung der Ansprache. Einige Zeit später habe ich dann eine Webseite entdeckt, auf der man eine Bass-Harmonika erwerben konnte. Das schien  erstaunlich billig, bis ich dann herausfand, daß es sich dabei in Wahrheit um eine software handelte, bei der die Entwickler einfach den sound einer Bass-Harmonika aufgenommen und daraus eine software entwickelt haben. Später stieß ich dann auf verschiedene Bassharmonikas und begann nun zu verstehen, daß viele sich mit einem Programm bescheiden, denn der Preis für eine echte, d.h. nicht-virtuelle Bassharmonika ist mit dem für eine kleine Bluesharp nicht unbedingt vergleichbar. 
Zwei Monate später habe ich ein neues, ganz fantastisches, extrem reduktionistisches Stück von Radu Malfatti gehört, und die Klänge waren wunderbar. Es stellte sich heraus, daß er eine Bass-Harmonika gespielt hatte. 








It´s not a melodion you listen to here, neither something transposed into the depth electronically nor the bass version of this instrument. All the sounds are original, just like that, with no effects but the obligatory reverberation, and they came out of a mouth harmonica. 
In fact a while ago I tried a bass-melodica because I wanted something dark and deep but the noises of the attack turned me off, not to mention its slowliness and delay. A little later I found a website where you could buy a bass-harmonica. This seemed to be astonishly cheap till I found out that it wasn´t the instrument they were selling but a software, developped with the help of the recorded sound. Later I found different bass harmonicas and began to understand why a lot of people content themselves with a software, for the price for a real, non-virtual instrument is not comparable with the one for a little blues harp.
Two months later I listened to a new fantastic, extremely reductionistic piece by Radu Malfatti and the sounds were wonderful. It turned out that he had played a bass harmonica.







Groß, aber nicht unbeweglich sind sie, die Steine. Bei Steinen gelten eben andere Zeitgesetze. Der Hall führt vor, daß sie sich bewegen, schwingen, wabern, tanzen in großen Gesten und Kinder haben. Und die Störche  - im Stück sind echt elsässische Störche zu hören -   bringen die Babysteine. So, wie das Wasser ekstatisch spritzt, wenn man eine mit ihm gefüllte Klangschale »anrührt«, so »spritzen« auch die Steine.
Sie atmen einfach ein wenig langsamer.








Big but not immovable they are, the stones. Regarding stones different laws of time are in charge. The reverberation demonstrates that they move, swing, billow, dance in huge gestes and bear children. And the storks - in the piece you can hear real Alsatian storks - bring the baby stones. As the water splatters if you cause a singing bowl - filled with it - to vibrate, also the stones »splatter«.
They just breath a little slower.

Dogen Zenji was a zen monk of the 13th century and completely different than Joshu (see precedent post). Dogen was more of the serious type. To him meditation was the core of the spiritual effort. So he pinpointed some of the basic rules of zazen, the sitting meditation, in force till now.
His writings are quite unconventional, fascinating but also difficult to understand. He often wrote in Japanese, quite unusual at this time and was a great stylist. His master piece is called Shōbōgenzō.
He was so eager to express the inexpressible perfectly, perhaps that´s why stones appear quite often: If you can set eyes on the potential outside of forms, you'll laugh as you watch a stone girl perform a dance. 








Dōgen Zenji war ein japanischer Zen-Mönch des 13. Jahrhunderts und ganz anders als Joshu (s. vorangegangenen Post). Dōgen war eher der ernste Typ. Als Zentrum der spirituellen Anstrengung galt ihm die Meditation, Zazen genannt. Dafür legte er einige der bis heute gültigen Grundregeln fest. Seine Texte sind unkonventionell, faszinierend, aber auch schwer verständlich. Er schrieb, ganz gegen die Sitte seiner Zeit, oft auf Japanisch und war ein großer Stilist. Sein Meisterstück trägt den Titel Shōbōgenzō. Vielleicht, weil er so um perfekten Ausdruck des Nicht-Ausdrückbaren bemüht war, kommen immer wieder Steine bei ihm vor: Wenn Du in der Lage bist, das Potential außerhalb der Formen wahrzunehmen, wirst Du lachen, wenn ein Steinmädchen einen Tanz aufführt







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Dienstag, 14. Juni 2016








I´M NOT A WORD

Mir gefallen die vorgegebenen Strukturen. Aber im Gegensatz zu der meist gebräuchlichen Praxis, zu Melodien entweder ganz frei oder aber nach den in der Melodie vorhandenen Skalen und/oder Akkorden zu improvisieren, habe ich hier versucht, das kompositorische Material bloß zu variieren, die Töne neu anzuordnen, die Struktur gar nicht zu verlassen.
Das zeitweilige Quietschen wird beigesteuert von der Gartenpforte der letzten Wohnung.







Jôshû ist der Clown des Zen. 

Jemand fragte: >Wie erlangt jemand den Zustand der Erleuchtung?<
Jôshû sagte: >Könntest Du das bitte wiederholen?<

Oder:
Ein Übender fragte: >Wie ist das, doof zu sein?< Jôshû antwortete: >Ich bin weit hinter dir zurück.< Der Übende meinte: >Ich bin kein Gegner für Euch.< Jôshû fragte: >Warum bist du dann doof geworden?< 

Die Weisheit des Lehrers, der den einfältigen Toren spielt?


I like the given structures. But contrary to the most common practice to improvise along melodies either freely or with the given scales and/or chords, I here tried only to vary the compositional material, to arrange the tones differently and not to leave the structure at all.
The occasional squeaks are contributed by the garden´s gate of the last appartment.







Jôshû is the clown of Zen.

Someone asked, >The state of enlightenment - how does one attain it?<
Jôshû said, >Would you repeat that?<

Or:
A practitioner asked, >To be dumb - what is it like?<
Jôshû said: >I am far behind you.<
The practitioner said, >Why then did you become dumb?<

The wisdom of the teacher performing the role of a simple fool?








Das ist ja alles noch interpretierbar, aber es gibt zahlreiche Anekdoten und Aussprüche, die rational nicht zu erfassen sind - wie die Koans, an denen sich der Meditierende die intellektuellen Zähne ausbeißt:
Jemand fragte: >Das, was ich mittels meiner eigenen Kräfte schaffen kann - was ist das?<
Jôshû entgegnete: >Du wirst niemals in der Lage sein, so etwas zu finden.<

Und schließlich die Situation, die zum Stücktitel geführt hat:
Ein Mönch fragte: >Das Wort Jôshûs - wie lautet es?<
Jôshû erwiderte: >Es gibt nicht einmal ein halbes Wort.<
Der Mönch sagte: >Meister, seid Ihr nicht hier?<
Jôshû antwortete: >Ich bin kein Wort.<







This still seems to be interpretable but there are numerous anecdotes and dicta which can´t be grasped in a rational way - like the koans, intellectual nuts which give the meditator a hard time to crack:
Someone asked, >That which I can attain through my own powers - what is it?<
Jôshû said, >You will never be able to find such a thing.<








And fiinally the situation which lead to the title of the piece:
A monk asked, >The word of Jôshû - what is it?< 
Jôshû said, >There is not even half a word.<
The monk said, >Master, are you not here?<
Jôshû said, >I am not a word.<








It turns out the mini cds are coming back to melody lately, that are the little niches where one is allowed to taste the human touch.
So here is another version of the word denial: for the little twin sister of the piano, the melodion.







Es erweist sich, daß die Minis in letzter Zeit alle zur Melodie zurückkehren, das sind die kleinen Nischen, in denen »gemenschelt« wird. 
Hier also noch eine weitere Version der Wortverweigerung: für die Zwillingsschwester des Klaviers, das Melodion. 








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Die CD kann hoffentlich bald bei metamkine.com bestellt werden.


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Montag, 16. Mai 2016


COLORS OF WONDER










Colors of Wonder, so der Titel der neuen CD: was könnte das sein, mal abgesehen von den Farben, mit denen die Natur uns so freizügig beschenkt, um uns ungläubig staunen zu lassen, und die hier hauptsächlich durch die Fotos repräsentiert werden?
Sind das eventuell all die Farben, die hinter den Augen vorbeiziehen, wenn sich, meist im Zustand akuter Übermüdung, wie Schichten komplexe und bunte Ensembles voneinander ablösen, als Skulpturen, Gemälde, Mosaiken oder Installationen, aus Leder, Stein, Holz, Plastik, Metall, Stoff usw.?
Dieser permanente Wechsel innerer Kunstwerke, ein Jungbrunnen der Phantasie, löst jedenfalls Verwunderung aus, Erstaunen, ebenso wie die daraus resultierende Feststellung, was offensichtlich alles in einem steckt.*


*Oder man tastet blind an einer Wand entlang und stellt sich dabei genau den Gang vor, denn man kennt ihn, da er sich in der eigenen Wohnung befindet. Und man wundert sich über die Vielzahl der Grautöne, die einem das innere Bild anbietet. Und man fragt sich: warum ist es nicht farbig?







Das ist ganz pur, daher gibt es auch keinen Hall, nur für ein paar verirrte Stöcke der Zurechtweisung: eine kleine doppelfellige Rasseltrommel - zwei kleine Holzstücke hängen an Bindfäden seitlich am Instrument und werden bei rascher Drehung der Achse gegen die jeweiligen Membranen geschleudert -, eine marokkanische Naqqara, ein kleines Xylophon und ein noch kleineres Balaphon.
Diese akustische Zweiteilung bedeutet die Umkehrung eines gängigen Musters: Verwunderung ist hier kein Ausdruck der Aufregung, vielmehr ist sie gekoppelt an eine nicht nachlassende Intensität. Vielleicht sind ihre Farben daher auch nur die Beckettschen Abstufungen von Grau. 







Verwunderung erneuert dennoch Vieles. Und Neues wiederum kann zu Verwunderung führen. 
Erstaunen wirkt befreiend, es ist gedanken- und erinnerungslos, der Vergleich: »aber das erinnert mich an…« ist bereits ein Gebraucht-artikel.

Jedenfalls schillert das Nichtwissen und tritt auf in verschiedenen Farben.








Colors of Wonder, title of the new cd: what could it be besides the colors nature is bestowing us with in order to let us wonder agape? 
Probably all the colors passing by behind the eyes when complex and chromatic ensembles replace each other like layers, in form of sculptures, paintings, mosaics or installations, made out of leather, stone, wood, plastic, metal, fabric etc.?
This permanent change of inner art work, a fountain of youth for the phantasy, triggers off wonder in any case, astonishment, as well as the resulting perception of what one is apparently made of.*

*Or you grope blindly along a wall and visualize in detail the hallway for you know it since it´s in your own appartment. And you wonder about the manifold shades of gray offered by the inner image. And you ask yourself: why isn´t it colored?









This is all pure and therefore without delay, except for a few stray sticks of tingler: a little double-headed rattle drum - two pellets, each attached to a cord, hang downwards and get skidded against the drumheads by quickly turning the axe -, a moroccan naqareh, a little xylophone and an even smaller balafon.
This accoustic splitting represents the inversion of a common pattern: here wonder is not an expression of excitement but rather pegged to a non-decreasing intensity. Therefore it´s colors are perhaps just the Beckett-like gradations of grey.







Nevertheless wonder refaces a lot of things. And something new can in turn lead to wonder.
Astonishment liberates, it´s free of thoughts and memory, the comparison: »but this reminds me of…« already is second-hand goods.
In any case the not-knowing fluoresces and appears in different colors.




 




Colors of Wonder meint aber auch, jedenfalls für mich als begeistertem Leser, all die Facetten des Erstaunens, mit denen uns die Literatur beschenkt und beglückt, darüber, mit welcher Raffinesse Figuren der Phantasie unterschiedlicher Epochen ineinander verwoben sind, in sich permanent wandelnden Formen vererbt von Schriftsteller zu Schriftsteller; darüber, auf welch schillernde Koinzidenzen man als aufmerksamer Leser stößt. 






Auf dieser Wanderung mit offenem Mund über das weite Feld der Vermittlung von Literatur in Literatur in Literatur… ist mir kürzlich Proust wiederbegegnet  -  dabei hatte ich geglaubt, ihn innerlich vor wenigen Jahren für den Rest meiner Tage ad acta gelegt zu haben. Aufgetaucht ist er in Form eines rein zufällig entdeckten Bändchens über seine Bibliothek, das ist ein langer Aufsatz, der sich damit beschäftigt, welche Figur seiner Recherche er mit welchem Schriftsteller ausstattet, bekleidet und wie er sie dabei alle ganz en passant in gute und schlechte Leser einteilt etc.. Als meine Neugier geweckt war - dabei ist dieser Aufsatz zum Teil sehr, sehr grobmaschig gestrickt -, griff ich erneut zum einschlägigen Aufsatz des Meisters selbst, Tage des Lesens, und schließlich landete ich wieder einmal bei Balzac, um einerseits zu erfahren, inwieweit der schwule Baron Charlus, eine zentrale Figur der Recherche wiederum aus einer zentralen Balzac-Figur herausgeschnitzt worden ist, zum anderen, um herauszufinden, warum er bestimmte  Figuren und Erzählungen im balzacschen Kosmos anderen vorgezogen hat. 









Und zur gleichen Zeit kreuzte erneut der junge Hemingway meinen Weg - die Gründe hierfür, die ich jetzt ausspare, bilden eine neue Kette der Verwunderung -, und verwundert fragte ich mich, wie zwei Schriftsteller soweit voneinander entfernt sein können - der eine mitten in der untergehenden Welt des Hochadels, der andere mitten im modernen Leben inklusive der Wunden des ersten Weltkriegs -, obwohl sie doch zur gleichen Zeit in Paris leben. 




But Colors of Wonder also means, at least for me as as passionate reader, all the facets of wonder literature is presenting and delighting us with, the wonder about how refined phantasy characters of different eras are woven together, inherited in permanent changing forms from writer to writer; the wonder about these dazzling coincidences you bump into as attentive reader. 







During this peregrination with an open mouth on the large field of mediation of literature in literature in literature… I encountered Proust again  - although I had thought that I left him behind a few years ago for the rest of my life. He showed up in form of a small book, discovered by chance, about his library, a long essay which tries to figure out which of his characters he clothes with which writer and how he classifies them all that way into good and bad readers etc.. When my curiosity was roused - eventhough this essay is partly quite coarse meshed woven -, I resorted again to the masters own essay about this topic, Days of Reading, and finally I once again got to Balzac, just to learn on one hand, how the gay baron Charlus, a main character of the Recherche is carved out of a main Balzac character, and on the other hand, why this baron preferred certain characters and novelettes in the Balzac cosmos.









And at the same time the young Hemingway crossed my way again - the reasons, left open here, form another chain of wonder -, and surprised I asked myself how two writers can be so far away from each other - one of them in the middle of the descending world of high nobility, the other one in the middle of »modern« life including the wounds of the First World War -, eventhough they live in Paris at the same time. 

Or you just follow zen master Boshan Wuyi (1575 - 1630) who considered it being indispensable to morph into one single compact mass of wonder while meditating: >Your whole being, inside and out, is just one single mass of wondering…







The key to meditation is the commitment not to stop until the mass of wonderment breaks.<
Perhaps everything dissolves into colors then.

The photos at least all come from my immediate environment, the appartment, including the ones for the cover. 

Besides it´s just the first part of the cd, the second one deals with words.



Oder man folgt einfach dem Zenmeister Boshan Wuyi (1575 - 1630), der es als unerlässlich ansah, sich beim Meditieren in eine einzige dichte Masse der Verwunderung zu verwandeln: >Dein ganzes Sein, innen und außen, ist einfach eine einzige Masse der Verwunderung…







Der Schlüssel zur Meditation besteht in der selbstverpflichtenden Bereitschaft, nicht aufzuhören, bis die Masse der Verwunderung zerbricht.<
Vielleicht löst sich dann alles in Farben auf.

Die Fotos entstammen jedenfalls sämtlich meiner unmittelbaren Umgebung, der Wohnung, inklusive der für das Cover. 

Außerdem ist es bloß der erste Teil der CD, der zweite handelt von Worten.







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