Donnerstag, 19. September 2013




Der Zeichenschläger versucht, dafür zu sorgen, daß man sich nicht verirrt auf dem Weg*, er bringt Zeichen an oder schlägt sie ein, in Bäume und Steine. Meine Tochter Lou hat das erste Zeichen gesetzt: das Cover-Foto ist von ihr (http://fuckwithpeterpan.blogspot.fr).























The Zeichenschläger helps - he tags or nails down signposts in trees or stones - not getting lost on the way*. My daughter Lou placed the first sign: she did the cover photo (http://fuckwithpeterpan.blogspot.fr).
It was a profession. 
For it may be you go and suddenly there lay a poem; no one knows who put it there and nature is so busy (listen to the frogs). Sprossung deals with that. Ernst Jandl bequeathed us the poem.


Das war ein Beruf. 
Denn es kann sein, man geht, und plötzlich liegt da ein Gedicht, keiner weiß, wer es dort hingelegt hat, und die Natur ist so beschäftigt (höre die Frösche). Davon handelt Sprossung. Das Gedicht hat uns Ernst Jandl vermacht.





Le Dedale, das Labyrinth, kombiniert äußerste Simplizität mit einer klaren Struktur. Man darf die Lücken selbst schließen oder raten, was als nächstes kommt: eine reine Wiederholung, eine Variation oder ein neues „Modul“? Hoffentlich ist es wirklich ein Irrgarten, aber mit einer Aussicht, nicht aussichtslos.







Le Dedale, the labyrinth, combines utmost simplicity with a clear structure. You may bridge the gaps yourself or guess what´ll come next, a mere repetition, a variation or a new module. Hopefully it´s a real maze but nevertheless with a view, not forlorn.
Le Dedale..., that is to say its second, longer part is featured on one of the three little siblings (mini cds) of the Zeichenschläger.


Le Dedale..., also der zweite, längere Teil findet sich bei einem der drei kleinen Geschwister (Mini-CD´s) vom Zeichenschläger, Le Dedale.
























Der Begeher guckt sich Leute und Sachen nur an, er begegnet nicht, das ist dann der Begegner, der kommt nächstes Mal dran. Der improvisa-torische Teil besteht ausschließlich aus Akkorden. 


The Begeher, someone who walks on, only looks at people and things, he doesn´t meet or face or encounter, that would be the Begegner, that´s for the next time. 
The improvisational part exclusively consists of chords. 








Lettering Stones ist eine ältere Komposition und bezieht sich auf den buddhistischen, tibetischen Brauch, Steine zu beschriften mit Sentenzen, Weisheiten und Wünschen. Geduld ist gefragt beim Übertragen, denn auch Steine besitzen eine Aura.


Lettering Stones refers to the Tibetan-Buddhist custom of lettering stones with aphorisms, sage sayings and wishes. Respect and patience are asked during the transfer, for even stones own an aura.








Obwohl das Ereignis nun schon ein dreiviertel Jahr zurückliegt, hier einige Worte zur knapp vierstündigen Ausstellungs-Musik namens Stimmgang. 
Ich war von der Künstlerin Maren Ruben (maren-ruben.com) um eine Klanginstallation für die Regionale 13 - eine sogenannte trinationale, d.h. in Deutschland, Frankreich und der Schweiz angesiedelte Ausstel-lungsserie in vielen verschiedenen Museen für die Region Oberrhein - gebeten worden. 


Eventhough the event goes back already three quarters of a year, here some words about the almost four hours long exhibition music Stimmgang.
I was asked to do a sound installation for the Regionale 13 which is a series of exhibitions in this area including the countries Germany, France and Switzerland. 







Stimmgang initiert, mit Hilfe von unablässig fallenden Wassertropfen, das Gehen mit Sprache, die aus der Musik kommt und wieder in sie zurückgeht, auf und über Wasser, und, mit Hilfe des schon erwähnten Gongyo - Voice Walk (Post 1), eine epische Wanderung in kleinen Schritten, eine kleine Schule der Aufmerksamkeit.
*Der Zeichenschläger sorgt dann für eine retrospektive Orientierung im Garten der Tropfen. 


Stimmgang initiates, with the help of constantly falling drops the walk with language which comes out of music and goes back into it, on and over water, and, with the help of the already mentioned Gongyo - Voice Walk (post 1), an epic peregrination within little steps, a tiny school of attentiveness.
*The Zeichenschläger provides a retrospective orientation in the garden of drops. 







Kommentare sind willkommen (mail@stefan-hardt).

Alle erwähnten CD´s und noch viele mehr sind direkt bei mir bestellbar unter: 
mail@stefan-hardt.de.
1 CD:                                  15 €
2 CD´s:                                25 €
1 Mini-CD:                            7 €
Preise inkl. Porto und Verpackung


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For all mentioned cds and many more please contact me: mail@stefan-hardt.com.
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Donnerstag, 2. Mai 2013



Der Säumer wagt sich vor in abgelegene Gegenden. Zu diesem Zweck bildet er Fahrgemeinschaften. Er versorgt Gegenden mit Gebrauchsgütern, die häufig von Überfällen heimgesucht werden. Das war im Mittelalter.



The Säumer, a sort of medieval freight hauler, dared to advance into remote regions. For this purpose he looked out for ride sharing. He provided areas which are afflicted by numerous hold-ups with major consumer durables. 


Das „Gesangs“-Stück Gongyo -Voice Walk habe ich schon erwähnt (s. Post 1). Um solcherart Wanderung des Erstaunens geht es auch bei Antennae, und hier mündet diese fiktive Reise zu den kleinen Unebenheiten des Gedankens in die Frage: Was nimmt ein Grashüpfer wohl wahr mit seinen „Antennen“ (antennae)? 


I´ve already mentionned the piece Gongyo -Voice Walk (s. post 1). Antennae too is about such a kind of light peregrination, where a fictitious journey into the tiny uneveness of thought opens out into the question: What does a grasshopper perceive with and through his antennae?


  

On Säumer II sea horses are mentionned and furthermore there is a hommage to the unhappy Adalbert Stifter. He remembers the perception of a halm of grain as a moment of relief after something destructive had held him. You find this episode in the last version of his autobiographical text The Briefcase Of My Great-Grandfather. There he tries - in a believable way - to step down into a time before memory and to find a language for these impressions, foreshadows.























In Säumer II wird über Seepferde gesprochen, und außerdem gibt es eine Hommage an den unglücklichen Adalbert Stifter. Der erinnert sich, in der letzten Fassung seiner Mappe meines Urgroßvaters, in der er versucht, glaubwürdig versucht, in die Zeit vor der Erinnerung hinabzusteigen und eine Sprache für diese Eindrücke, Ahnungen zu finden, an die Wahrnehmung eines Kornhalms als Moment der Erleichterung, nachdem er dem Zugrunderichtenden entkommen war.







Der Text Seepferde stammt von Günter Eich, der mit seinen beiden späten Prosabändchen Ein Tibeter in meinem Büro und Maulwürfe einerseits sich mühelos eingliedert in das, was man vielleicht absurde Literatur nennen könnte, andererseits aber augenzwinkernd sich nie allzuweit vom common sense entfernt. 







The text Sea Horses is written by Günter Eich who with his two late little volumes A Tibetan In My Office and Moles integrates easily into a tradition of absurd literature but also, winking, never departs too far from a common sense.

Und hier noch ein Ruf mit der Flöte. Sie klingt ein wenig wie eine Mischung aus Quer- und Blockflöte und ist erfunden worden von einem Herrn Strathmann. Das Besondere an ihr: sie hat die Mechanik eines Saxophons. 

And a call with the flute. It sounds a bit like a mixture of traverse flute and recorder. This flute has been invented by Alfred Strathmann. The specialty is: it has the mechanics of a saxophone.









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Donnerstag, 11. April 2013



Die CD Waves Of Probability ist ein wenig untergegangen, ungewollt. Dabei markiert sie einerseits das wohl definitive Ende meiner persönlichen Sopransaxophon-Ära - neben zwei Klavierstücken ist ausschließlich das Altsaxophon zu hören -, als vielleicht ebenso die Abwendung vom Saxophon über-haupt -, und es gibt 12(!) Versionen vom Cover, mit Fotos, die meine Tochter Lou gemacht hat.  







Unfortunately the cd Waves Of Probability was unintentionally neglected by me although it marks both the probably definite end of my soprano-sax era and the abandonment of the saxophone in general. And there are 12(!) versions of the cover, with photos made by my daughter Lou.







Und jetzt ist diese CD wieder in den Fokus gerückt, denn ich erarbeite mir gerade ein Repertoire aus älteren Stücken, die ich für das Melodion transponiere und/oder bearbeite. Als ich neulich überlegte, welches meiner Stücke als nächstes dran wäre - mir war nach einer Komposition mit einer klaren Struktur - kam ich auf Zany. Das ist ein langes Stück eben von der CD Waves Of Probability. Während ich es einübte, hörte ich mir nocheinmal die Altsaxophon-Version zur Gänze an und war überrascht von der Stringenz des Soloteils, der mir streckenweise wie komponiert vorkam. 

















And these days this cd came in sight again for I work on a repertoire consisting on elder pieces which I try to adapt or transpose for the melodion. 2 weeks ago or so when I wanted to choose another piece to adapt, I was seeking for a composition with a clear structure and I found Zany. This is a long piece from Waves Of Probability. While I was working on it, I listened again to the original version and was surprised by the congruity and consistence of the solo which partly almost sounded like composed. So here in full length because it´s a sort of good-bye to the saxophone, Zany.

Hier also in voller Länge, da es sich quasi um den Abschied vom Saxophon handelt, Zany:







Und dann folgte noch eine schöne Koinzidenz: vor kurzem habe ich mich nach langer Zeit erneut Monk zugewandt und versuche gerade, jetzt schließlich in C angelangt, einige Stücke erneut „durchzukneten“. Und nachdem ich Zany einigermaßen intus hatte, war Locomotive von Monk dran, und ich erkannte, daß die beiden Stücke wie Zwillinge sind. Beide Kompositionen sind stark repetitiv strukturiert, und auch die Skala von Zany weist große Ähnlichkeit mit dem Hauptakkord von Locomotive auf. Sicherlich werden diese beiden Stücke auf der nächsten CD zusammenkommen. 
Hier schon mal ein erster Versuch:







Locomotive by Monk was part of a beautiful coincidence: not long ago I turned again towards him - after playing his tunes in Bb and Eb I finally reached C -, „kneading“ his chords. And after I had relearned Zany I headed for Locomotive and  realized that they are like twins, these two pieces. Both compositions are quite repetitive and also the main chord of Locomotive is very similar to the scale of Zany. They will definitely come together on the new cd. Above you had a first try.































Mittwoch, 13. Februar 2013



Neben Lichtputzer I & II konnte ich 2012 noch zwei andere CD´s fertigstellen, nämlich Zeidler I & II. 














Der Zeidler war in mittelalterlichen Zeiten ein Wildbienenzüchter. Er hütete die Bienen in Wäldern, verarbeitete den Honig und verkaufte ihn, ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Honig war ein wichtiges Gut, wurde verehrt und hatte oft auch eine religiöse Bedeutung. Auf den Wappen ist der Zeidler oft mit Armbrust abgebildet, denn bei Kriegen mußte er dem Landesherrn als Armbrustschütze dienen. Die Zeidler hatten ein eigenes Gericht und auch eine gewisse administrative Befugnis.

























Besides Lichtputzer I & II I could finish two other cds in 2012, nameley Zeidler I & II. The Zeidler in medieval times was a cultivator of wild bees. He herded the bees in the forest, processed the honey und sold it, a very diversified job. Honey was a very important merchandise, it was worshipped and often had also a religious significance. On the emblems the zeidler often appears with a crossbow for in times of war he had to serve his sovereign as crossbow shooter. The zeidlers had their own jurisdiction and a certain administrative authority.







Entsprechend diesem Berufsbild sind auch die Stücke zum Teil ganz frei improvisiert, also „wild“, zum Teil sehr strukturiert, mit längeren Themen und Skalen als Vorlage für die Improvisation. Denn auch der Zeidler hatte zwar sein klar umgrenztes Waldstück, bereitete aber neue Unterkünfte vor, wenn ein Volk ausschwärmte.







Seine Techniken waren geheim und wurden nur unter Schwur an seinesgleichen weitergegeben.


According to this job profile also the musical pieces are partly entirely improvised, thus „wild“, partly quite structured, with longer themes and scales as guideline for the improvisation. For the zeidler too had his clearly defined territory but prepared new accomodations when a „folk“ swarmed.







His techniques were secret and only passed on to the likes of him under oath.